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MEXIKO ERLEBEN Das Fenster zum Hof - Das Kloster von San Agustin Acolman

Eine geheimnisvolle Erscheinung oder die Legende des Kirchendieners Pedro

Es ranken sich viele Legenden um das ehemalige Kloster der Augustiner in Acolman, eine davon erzählt von einem Messdiener, dem eines Abend eine geheimnisvolle Erscheinung widerfuhr. 

 

 

Schon sein ganzes Leben lang arbeitete  Pedro in der Kirche der Augustiner, und es war ein tägliches Ritual, abends, bevor er nach Hause ging, einen letzten Rundgang durch die Kirche zu machen, um sicherzustellen, dass alle Kerzen ausgemacht und alle Türen verschlossen waren.

 

Er kannte zwar jeden Winkel, trotzdem trug er in einer Hand eine Petroleumlampe, um im Dunkel der Kirche nicht zu stolpern.

 

Als er langsam an der Sakristei vorbeiging und sich dem Altar näherte, nahm er plötzlich Stimmen und Kirchenlieder in lateinischer Sprache aus der Ferne wahr.

 

 

Vorerst dachte er sich nichts dabei, er nahm an, dass es Klosterbrüder des Konvents waren, die sich ein einem Seitenteil der Kirche befanden.

 

Genau in dem Moment, als er das Altarbild seitlich passierte, auf dem sich das Bild des Heiligen Josef befindet, hört Pedro plötzlich das Knarren einer Türe.

 

Von da aus konnte er auf die Tür der Profundis sehen, die sich langsam öffnete und ein heller Lichtstrahl aus seinem Inneren herausleuchtete und geschockt sah er, dass eine Gruppe von Brüdern aus diesem Saal heraustrat und langsam auf ihn zukam ...

 

 

Die ersten Überraschungen

Während ich über den Ausgang dieser Legende im Ungewissen bleiben muss, freue ich mich darüber, dass ich heute für den Museumseintritt nichts bezahlen muß ( es ist Sonntag!) und ich obendrein noch fotografieren darf ( ist keine Selbstverständlichkeit in Mexikos Museen).

 

 

Bereits beim Blick hinauf auf das Eingangs-gewölbe bin ich das erste Mal überrascht. 

 

Es trägt wunderschöne  Wandmalereien, die eine Scheinarchitektur bzw. reichlich verzierte Spruchbänder in lateinischer Sprache aufweisen.

 

Auch die Größe des Gebäudekomplexes versetzt mich in Staunen. Er verfügt über ein Erd- und ein Obersgeschoß, zwei Kreuzgänge unterschiedlicher Stilrichtung, sowie über weitere Räumlichkeiten wie zum Beispiel das Refektorium, den Totensaal, Aufenthaltsräume, Küche, eine Bibliothek etc.

 

Renaissancebögen und der Duft von Orangen

 

 

 

 

Der große Kreuzgang ist im Renaissancestil erbaut, dessen Rundbögen durch Volutensäulen im isabellinischen Stil gestützt werden.

 

 

 

 

Die Orangenbäume verleihen dem Ambiente eine außergewöhnliche Romantik!

 

 

 

 

 

 

 

Die Zwischenräume über den Rundbögen tragen verschiedene Wappen und Insignien, unter anderem auch das Symbol der Augustinermönche, ein Herz mit zwei Pfeilen.

 

Von hier aus betritt man mehrere Räumlichkeiten wie zum Beispiel den Totensaal, wo die Totenwachen für die verstorbenen Brüder abgehalten wurden.

 

Einige der Räume tragen Wandmalereien, wie das Refektorium, das derzeit als Teil des kleinen Museums genutzt wird.

 

Deckengewölbe des Refektoriums ( Speisesaal)

 

 

Ein Tonnengewölbe mit Pilastern bildet die Stütze für den etwas kleineren Kreuzgang. 

 

Seine Wände zieren an den Innenseiten Malereien mit christlichen Themen, die sich vorwiegend auf die Kindheit Jesus beziehen. 

Die künstlerische Qualität und die Feinheit der Malereien haben durch die Jahrhunderte nichts an ihrem Reiz verloren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Himmel und  Hölle

Auch die Wände rund um den Kreuzgang des Obergeschosses zeigen außerordentlich gut erhaltene Darstellungen aus der Passion Christi:

 

 

 

 

 

 

die Geißelung, die Krönung, die Kreuztragung, eine Szene der Nagelung, 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

sowie die Kreuzigungsszene mit Maria Muttergottes, Maria Magdalena und Maria Kleophae. 

 

Mein persönliches Highlight ist die Darstellung des Jüngsten Gerichtes mit Jesus als Richter über Himmel und Hölle.

 

 

Der obere Bildteil zeigt Jesus Christus als Erlöser, in der linken Hand trägt er das Schwert der Gerechtigkeit und er erhebt seine Hände , die hier allerdings keine Wundmale zeigen.

 

 

 

 

Flankiert wird er zu seiner Linken vermutlich von den Aposteln, zwischen denen ein Frauengesicht besonders hervorgehoben ist. Zu seiner Rechten sind vorwiegend Frauengestalten dargestellt.

Der untere Rand des oberen Bildteils wird von Engelschören und betenden Seelen abgeschlossen, die dem Erlöser huldigen.

 

Ein Schriftband in lateinischer Sprache mit dem Hinweis auf den unteren Bildteil, trennt die beiden konträren Welten.

 

Der Ort des Fegefeuers könnte nicht furchterregender dargestellt sein:

 

arme Seelen hängen an Bäumen oder kochen im Kessel über dem Fegefeuer.

 

Andere sind, ohne jede Möglichkeit zu entkommen, festgebunden an eine Art Hamsterrad, das von einem hässlichen Wesen unaufhörlich angetrieben wird.

 

 

Angeheizt wird die ganze Stimmung  von den angsteinflößenden Wesen dieser unmenschlichen Welt.

 

Das Fenster zum Hof

 

Bei diesen Aussichten auf ein mögliches Dasein nach dem Tod muß selbst den Mönchen hier manchmal Angst und Bange geworden sein und ihre kleinen Kammern waren dem einen oder andere vielleicht ein willkommener Rückzugsort, vor allem,  weil sie eine ganz außergewöhnliche archtektonische Besonderheit aufwiesen.

 

 

In die Fensternischen waren zwei Stufen eingebaut, die den Brüdern einen beinahe romantischen Sitzplatz bescherten,  der ihrem von Kontemplation, Gebet und Lektüre dominierten Alltag zumindest zwei Annehmlichkeiten bescherte:

 

frische Luft und die Sicht auf den freien Himmel. 

 

 

 

 

Die Zellen der Mönche dienten verschiedenen Zwecken, der Lektüre, dem Gebet,  der religiösen Hingabe und der Nachtruhe. 

 

 

Das Mobiliar war sehr schlicht, das Bett war nicht mehr als eine Pritsche, manchmal gab es einen Sessel und einen Gebetstisch.

 

 

 

Ein Schrankkoffer oder eine Truhe waren bereits absoluter Luxus und wohl nur den altgedientesten Ordensbrüdern vorbehalten.

 

 

Alles Gute kommt von oben oder Die offene Kapelle

 

Im Sinne ihrer Missionarstätigkeit stand es im Interesse der Augustiner, ein möglichst breites Publikum zu erreichen, dem allerdings zwei Hürden im Wege standen:

 

zum Einen war es den Indigenas unheimlich, ein Gebäude mit gedecktem Dach zu betreten, zum Anderen durften sie das erst gar nicht, da sie nicht christlich getauft waren.

 

 

 

 

So sah man damals als einzige Lösung, in die Fassade einen kleinen Altar bzw. eine Kapelle einzubauen, von wo aus die Messen und Predigten für die Bevölkerung der indigenen Dörfer abgehalten wurden.

 

 

 

 

 

 

Die Kapelle ist als Balkon ausgeführt und beherbergt das Bild der Heiligen Katharina von Alexandrien, der Schutzpatronin der Philosophen und Prediger.

 

 

 

 

 

 

Sie wird mit ihren typischen Attributen dargestellt:

einem Buch, einem Palmwedel, einem Schwert, einer Krone und mit dem Kopf des römischen Imperators Maximinian, der als Feind der Christen galt.


 

Weil Katharina einige Mitglieder seines Hofes zum Übertritt zum Christentum bewegt hatte, ließ er sie peinigen und schließlich köpfen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die süßesten Früchte und ein kopfloses Jesuskind

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Fassade des an den Konvent unmittelbar angrenzenden Tempels ist im sogenannten plateresken Stil ausgeführt, eine architektonische Stilform der spanischen Renaissance.

 

Ihr zentraler Teil trägt Lünetten, die mit detailreichen Statuetten und Symbolen in Voll - und Halbrelieftechnik ausgeführt sind.

 


 

Der Bogen über dem Eingangsportal trägt Früchte aus Spanien und Mexiko.

 

 

Das Fenster des Chors ist von zwei Wappen flankiert, auf der linken Seite das der Spanier, auf der rechten das Wappen von Acolman ( "Mann mit Hand" - Übersetzung aus dem Náhuatl).

 

Im Feld über dem Fensterbogen das Wappen der Augustiner, ein Herz, das von 3 Pfeilen durchbohrt wird. 

 

 

 

 

 

In der zentralen Lunette über dem Eingangs-portal sehen wir eine Allegorie auf das Jesuskind,.

 

 

 

 

 

Dessen Kopf wurde unglücklicherweise schon zerstört ( oder gestohlen) wurde, jedoch trägt es in seiner rechten Hand eine Weltkugel.

Flankiert wird das Vollrelief von zwei Engeln mit Instumenten, einer mit einer Gitarre, der andere mit einer Schalmei.

 

 

Eklektizismus in Vollendung

Wie wir gesehen haben, weisen Tempel und Klosteranlage unterschiedliche Stilrichtungen auf.

 

Die ursprüngliche Konstruktion stammt aus der Zeit zwischen 1524 bis 29 und ist im Stil einer Befestitungsanlage errichtet.

 

Das Tonnengewölbe des Tempels und dessen Apsis tragen typische gotische Rippen.

 

Die Wandmalereien in der Apsis stammen aus dem 16. Jahrhundert und stellen bedeutende Persönlichkeiten dar:

Päpste, Kardinäle und Ordensbrüder, Propheten des Alten Testamentes und heiliggesprochene Augustiner.

 

 

Der dreiteilige Flügelaltar geht auf das 18. Jahrhundert zurück und ist im barocken Stil ausgeführt. 

 

In einem der beiden Seitenkapellen ist das Baptisterium, die Taufkapelle, untergebracht.

 

Sein ebenfalls barocker Altar aus Gold ist dem sogenannten salomonischen Stil nachempfunden. 

Die Flucht vor dem Wasser

 

Aufgrund immer wiederkehrender Überschwemmungen, die auch vor dem Kloster nicht halt machten, wurde die Anlage gegen Ende des 19. Jahrhunderts von den Augustinern verlassen und mehrere Jahrzehnte lang seinem Schicksal überlassen.

 

Erst im Jahre 1921 wurde es von der Regierung Mexikos unter Schutz gestellt und gilt seit 1933 nicht nur als Historisches Monument, sondern zählt heute zu den herausragendsten architektonischen Beispielen des 16. Jahrhunderts am gesamten amerikanischen Kontinent.

 

Infos:

Adresse: Calzada s/n, De Los Agustinos, Centro, 55870 Acolman, Méx.
Öffnungszeiten: 
Dienstag 10:00–17:00
Mittwoch 10:00–17:00
Donnerstag 10:00–17:00
Freitag 10:00–17:00
Samstag 10:00–17:00
Sonntag 10:00–17:00
Montag 10:00–17:00
Einlass täglich bis 16:30
Telefon: 01 594 957 1644
Eintritt: $ 42.00
Lehrpersonal, Schüler, Studenten und Kinder unter 13: freier Eintritt
Sonntag: freier Eintritt
Videofilmen erlaubt: $ 30.00

 

 

https://www.youtube.com/channel/UCALOiEYqJoA2dvZeVR6a4mQ

 

 

https://www.facebook.com/mexikoerleben/


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Kommentare: 1
  • #1

    Liliana Hernandez (Mittwoch, 21 Februar 2018 06:57)

    Sehr schoen dargestellt!